Vortragsreihe: Zur Geschichte der Henry und Emma Budge-Stiftung


In dem Vortrag von Volker Hütte, Historiker, am 16. November war das Thema „Prominente und bedeutende Persönlichkeiten in der Stiftung.
„Was sind Persönlichkeiten“? Fragte sich Herr Hütte. Er erläuterte den Zuhörern, dass diese Menschen eine bestimmte Berühmtheit erlangt haben.
Vorgestellt wurden acht Personen, vier davon aus dem Vorstand, die nicht mehr unter uns sind. Der erste und wichtigste Mann in dieser Reihe, Vorstandsmitglied seit 1939, Max-Ludwig Cahn.

max l. cahn

Max Ludwig Cahn, der einstmals angesehene Anwalt und Notar trat 1945 entscheidend dafür ein, diese Stiftung wieder zu beleben. 1956 schließlich kam es zu einem Vergleich mit der jüdischen Gemeinde und der Stadt Frankfurt. Sein fester Wille war, etwas in seiner Heimatstadt Frankfurt zu bewegen. Im Vorstand war er bis 1964, 1968 starb er.

Die zweite Persönlichkeit, Dr. Paul Arnsberg, dessen Foto im Festsaal heute benannt  „Rosl- und Paul Arnsberg-Saal“ von 1964 bis 1968 im Vorstand. Danach übernahm seine Frau Rosl Arnsberg, geborene Abramowitch, bis zu ihrem 101. Geburtstag diese Aufgabe. Paul Arnsberg, 1899 in Frankfurt am Main geboren war ein deutsch-jüdischer Historiker, Journalist, Schriftsteller und Verleger. Er verstarb 1978. Er schrieb ein Buch über Henry Budge, was ebenso im Archiv der Stiftung liegt.
Seit 1920 war er Vorstandsmitglied der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Im Jahr 1923 wurde er zum Ersten Vorsitzenden der Jüdischen Vereinigung Frankfurts gewählt. Er war als Journalist für die Frankfurter Zeitung, das „Frankfurter Wochenblatt“ und das Jüdische Wochenblatt Frankfurts tätig. Arnsberg war als Verwaltungsjurist tätig, wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 aus dem Staatsdienst entlassen und emigrierte nach Palästina.
1958 – nach 25 Jahren – entschloss er sich zur Rückkehr nach West-Deutschland, nach Frankfurt am Main.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Arno Lustiger in Frankfurt am Main. Er war 34 Jahre im Vorstand der Stiftung, betrieb den Umbau des Hauses unter dem Stiftungszweck: „Juden und Christen unter einem Dach.“
Sein Leidensweg führte ihn durch einige Konzentrationslager. Im April 1945 floh Lustiger bei einem weiteren Todesmarsch, als auch dieses Konzentrationslager angesichts der anrückenden amerikanischen Truppen geräumt wurde. Dabei fiel Lustiger Angehörigen des Volkssturms in die Hände, konnte abermals entkommen und wurde von amerikanischen Soldaten gefunden und zu einem uniformierten und bewaffneten Dolmetscher der US Army gemacht.

lustiger cohndr.gerhard

linkes Foto: von links, Arno Lustiger mit Thomas Cohn. In dieser Zeit Geschäftsführer der Stiftung. Rechtes Foto: Dr. Ernst Gerhard

Der vierte im Vorstand, der keinen jüdischen Hintergrund hatte, war Dr. Ernst Gerhard, 1921 in Frankfurt am Main geboren. Ein ehemaliger deutscher Kommunalpolitiker­ der CDU, der mit sechsundneunzig Jahren heute noch in Frankfurt lebt.
1936 machte er eine kaufmännische Lehre bei der Frankfurter Braun AG und arbeitete sich dort nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Prokuristen hoch. Gerhardt wurde 1956 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. 1960 wurde er hauptamtliches Magistratsmitglied und von 1978 bis 1989 war er Stadtkämmerer. Nachhaltig setzte er sich für die Universität der Frankfurter Partnerstadt Tel Aviv ein. Gerhardt ist Träger des Komturkreuzes mit Stern des päpstlichen Gregoriusordens. 2011 erhielt er den Hessischen Verdienstorden.

leoniemeierhofrechts von leonie


Außer den vier Vorstandsmitgliedern stellte uns Herr Hütte drei Bewohnerinnen und einen Bewohner vor. Die Bewohnerin Leonie Meyerhof wurde 1858 oder 1860, geboren. Sie war eine deutsche Schriftstellerin, mit dem Pseudonym Leo Hildeck. Sie lebte in der ehemaligen Budge-Stiftung am Edinger Weg. 1886 zog sie mit ihrem Vater nach Frankfurt. Sie arbeitete für die „Frankfurter Zeitung“ , die in den 1920er Jahren als liberal und fortschrittlich galt. Ebenfalls schrieb sie Literaturkritiken und kleinere Beiträge zur Lage der Frauen. Das Buch: „Töchter der Zeit“ befindet sich ebenfalls im Budge-Archiv.

Von einer weiteren Bewohnerin, Margarita Robinschahn wissen wir, dass sie im Appartement 156 wohnte. Als Sudetendeutsche, Jüdin, war sie einst Zahnärztin von Mao Tse-Tung. Darüber hatte sie ein Buch veröffentlicht.

berta jourdan

Die dritte Bewohnerin, Berta Jourdan, kümmerte sich um körperlich und geistig behinderte Kinder. 1933 wird sie aus dem öffentlichen Schuldienst entlassen. Emigrierte mit Ihrer Mutter nach Rhodesien. 1969 kehrt sie zurück nach Frankfurt, engagiert sich in der SPD. Nach ihr benannt, ist die heute „Berufliche Schulen Berta Jourdan“.
Berta Jourdan wurde 1892 in Frankfurt am Main und starb 1981. Sie war eine deutsche Politikerin und  Frauenrechtlerin.

hebelProfessor Hebel

Die letzte Persönlichkeit, die Herr Hütte uns vorstellte, war Prof. Franz Hebel. Einige der Bewohner konnten sich noch gut an ihn erinnern. Seine regelmäßige Vortragsreihe über christlich-jüdische Literatur hat sich in die Köpfe Vieler eingeschrieben.Er war ein ausgesprochen bescheidener Mensch.
Herr Hebel lebte mit seiner Frau in der Budge-Stiftung. Geboren 1926 in Frankfurt. Wehrdienst 1944-1945. 1947 bis 1951 Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie, katholische Religion. Von 1953 bis 1972 im Schuldienst. Mitglied der Großen Hessischen Curriculum-Kommission. 1964-65 Stage am Lycée Rodin (Paris) und Studium der Curriculum-Entwicklung in USA. 1972-91 Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der TU Darmstadt. 1978-79 Lehrtätigkeit an der Universität Amsterdam. 1979 doctor in de letteren (Universität Amsterdam). 1987 Dozentur an der Waseda-Universität Tokio.