Eine Feier zum „Tag des Sieges“

Nachtcafé am Montag, den 22. Mai 2017

Der Mai steht im russischen Kalender ganz im Zeichen des Kriegsendes. So wählte das Nachtcafé-Team als Motiv für den Mai eine Feier zum Tag des Sieges. Dazu wurden Gäste aus dem „Günter-Feldmann-Zentrum“ zu uns eingeladen, und sie kamen gerne, um diesen besonderen Tag mit uns zusammen zu begehen.

Das „Günter-Feldmann-Zentrum“ in Bornheim ist ein kultureller Treffpunkt für Senioren (darunter viele Juden) aus der ehemaligen Sowjetunion. In den vergangenen Jahren haben wir öfters mit ihnen gemeinsam nach russischer Tradition den „Tag des Sieges“ gefeiert. Mal war das fröhlich mit Musik und Tanz, mal war das besinnlich mit historischem Filmmaterial, mal nachdenklich mit Zeitzeugen.

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Dieses Jahr nun wurde der „Tag des Sieges“ kulinarisch mit einer Suppe nach russischem Rezept gefeiert. Über 30 Gäste aus dem Günter-Feldmann-Zentrum wurden nach unserer „Nachtcafé-Tradition“ in unserer Synagoge von Rabbiner Steiman empfangen, danach ging es gemeinsam in den Rosl und Paul Arnsberg Saal, um den „Tag des Sieges“ auf russische Art mit einem „Borscht“ (koscher natürlich) zu feiern. Die Gespräche drehten sich um Erinnerungen an den Krieg. Es zeigte sich erneut, wie tief die Eindrücke an die Zeit in der betroffenen Generation sitzen – natürlich auf allen Seiten. Zeit zum Nachdenken oder gar Trauern gab es nicht, so die einhellige Meinung. Wiederaufbau und Neubeginn nahmen hier wie dort alle Kraft in Beschlag.

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Umso wichtiger sind Gelegenheiten, um gegenseitig gehört zu werden: Deutsche und Russen, Juden und Nicht-Juden. Die Herzlichkeit, die sich dabei entfaltete, war rührend und zum Greifen. Der Borscht entfaltete seine verbindende Wirkung. Wenigstens hier, in der Budge-Stiftung, hat die Kriegsgeneration Gelegenheit, einen solchen Frieden mit dem jeweils Anderen zu finden – und damit auch mit sich selbst.
So ging man am Ende des Tages – und am Ende des Borschts – mit dem Gefühl nach Hause, etwas Besonderes und Wichtiges erlebt zu haben. Wie gut, dass so etwas möglich ist – nach all‘ den Jahren des Schweigens.

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Für die über 30 Bewohner der Budge-Stiftung, die am Gespräch teilnahmen, war es selbstverständlich, eine interkulturelle Veranstaltung  erlebt zu haben. Die Gäste aus dem Günter-Feldmann-Zentrum waren beeindruckt und dankbar: nach ihren eigenen Angaben haben sie außer bei uns ein solches Gespräch seit ihrer Ankunft in Frankfurt nie erlebt. Die Bewohner der Budge-Stiftung und das Nachtcafé-Team versicherten ihnen, hier immer willkommen zu sein und Freunde zu haben.

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